13. März 2017

»Das Leben zwischen Jetzt und Hier« von Cara Mattea

Als ich vor Wochen nicht für die Leserunde zu »Das Leben zwischen Jetzt und Hier« ausgewählt wurde, hat sich meine Enttäuschung ziemlich in Grenzen gehalten. Dabei muss ich zugeben, dass ich mich hauptsächlich wegen dem grandiosen Cover beworben habe, denn der Klappentext gibt nicht allzu viel her und hat mich ehrlich gesagt auch nicht besonders überzeugen können.

 

Neue Uni, laute Großstadt, komplizierte WG – Emilia musste für ihr Medizinstudium ins hektische Berlin ziehen und ist darüber todunglücklich. Alles erscheint ihr fremd und furchteinflößend. Dann trifft sie den Modedesign-Studenten Leo, und plötzlich fühlt sich Emilia angekommen. Durch ihn lernt sie nicht nur die vielen bunten Ecken Berlins kennen, sondern sie erfährt auch zum ersten Mal, wie sich Liebe anfühlt – zartbitter. Leo verzaubert sie mit seiner Kreativität und seinem Charme. Aber bald schon muss Emilia erfahren, dass auf seinem Leben ein Schatten liegt, der ihre gemeinsame Zukunft in weite Ferne rücken lässt. Doch das was für die beiden zählt, ist das Leben zwischen Jetzt und Hier.

 

Als ich dann vor kurzem von der Autorin angeschrieben und gefragt wurde, ob ich das Buch denn gerne noch lesen würde, habe ich nach kurzem Zögern zugesagt. Ich hatte in letzter Zeit ja sehr viele New Adult-Romane, nur wenige können und konnten mich wirklich überzeugen.

Und der Klappentext zu »Das Leben zwischen Jetzt und Hier« klingt schon sehr nach gewöhnlichem New Adult. Doch schnell hat sich herausgestellt, dass dieses Buch überhaupt nicht typisch für dieses Genre ist.

Der Prolog ist sehr unerwartet. Unerwartet heftig, unerwartet spannend. Und ja, durch den Alkoholikervater, der gewalttätig gegenüber der Mutter ist, wirkt das ganze schon sehr klischeehaft. Ich musste sofort an viele andere Bücher aus diesem Genre denken.

Aber der Prolog spielt für die weitere Handlung erst einmal keine Rolle. Er ist ein Stimmungsmacher, soll die Spannung ankurbeln, und das tut er definitiv! Doch man wird danach sofort in eine vollkommen andere Handlung geschmissen. Es geht nicht um diese Familie, um den Alkoholikervater oder die geschlagene Mutter, sondern um Emilia, die sich ein neues Leben in Berlin aufbaut.

Der wundervolle Schreibstil, der mich im Prolog schon überwältigt hat, führt einen spielerisch durch die Handlung. Man merkt beim Lesen gar nicht, wie die Seiten dahinfliegen. Der Klappentext ist ja sehr künstlerisch angehaucht. Durch ihn lernt sie nicht nur die vielen bunten Ecken Berlins kennen …, heißt es in der Inhaltsangabe, aber so ist es im Buch gar nicht. Und darüber bin ich ehrlich gesagt sehr froh, denn genau dieser Satz hat mich rätseln lassen, ob ich das Buch überhaupt lesen möchte.

Ich habe erwartet, einen total künstlerischen Protagonisten anzutreffen, der die Welt in ganz anderen Farben sieht, so einzigartig, dass niemand anders es so wahrnehmen kann, und Emilia in diese Welt entführen will. Viele hätte da womöglich angesprochen, aber ich finde es abschreckend, weil sich die Kunst mir eben nicht so erschließt.

Aber bekommen habe ich einen Protagonisten, der ein eigenes Modelabel hat und in seiner Kunst aufgeht, der aber dennoch bodenständig ist. Ein Mann, mit dem man sich über alltägliches unterhalten kann, der einfach sympathisch ist und eben nicht diese künstlerische Art hat, bei der sich alle anderen grau vorkommen.

Auch die Kombination aus Leonardo mit seinem Modelabel und Emilia der Medizinstudentin finde ich sehr interessant. Man bekommt aus beiden Welten etwas mit, kann Emilia in ihrem Alltag begleiten, bekommt aber auch einen Hauch von Leos künstlerischem Schaffen mit. Gerade bei diesen Stellen macht das Lesen besonders viel Spaß.

So einzigartig mir Leonardo noch am Anfang erschien, so schnell hat mich die Realität leider auch wieder eingeholt. Denn es dauert nicht lange, bis man mehr über ihn erfährt. Sobald Mila Gefühle für ihn entwickelt, kommen auch die typischen Probleme hinzu. Eine eifersüchtige Ex, Leos Ruf als Aufreißer, der jede haben kann.

Gerade weil ich dachte, dass er nicht einer dieser Protagonisten ist, hat sein Charakter etwas Frisches für mich reingebracht. Deshalb war ich bei dieser Erkenntnis leider doch etwas enttäuscht.

Und Emilia macht es mir da nicht leichter, denn auch sie entpuppt sich als das typisch unerfahrene Mädchen, dass durch den männlichen Protagonisten zum ersten Mal erlebt, was Liebe und körperliche Nähe ist.

So wie die Charaktere nimmt auch die Handlung erst einmal einen etwas klischeehaften Weg ein, sodass sich die Geschichte etwas zieht. Man wartet als Leser quasi nur auf dieses „Hin und Her“, das so viele New Adult-Romane
ausmacht. Doch hier kann die Autorin wieder überraschen, denn dieses Klischee setzt nicht ein. Es wird dramatisch, ja, aber auf eine andere Art und damit hebt sich »Das Leben zwischen Jetzt und Hier« wieder von den anderen Büchern des Genres ab.

 

Fazit

Eines kann man ganz deutlich über »Das Leben zwischen Jetzt und Hier« sagen: Die Geschichte ist durchwachsen. Durchwachsen von Spannung, Emotionen, Freude.

Die Geschichte beginnt einzigartig und spannend, lässt dann für kurze Zeit etwas nach, um anschließend wieder mit allen Emotionen aufwarten zu können. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle!

 

lesenswert

 

Infos

»Das Leben zwischen Jetzt und Hier« von Cara Mattea

books2read | 2017 | 300 Seiten

Auftakt einer Reihe

erhältlich als Taschenbuch | eBook

 

Würdet ihr einen Neuanfang in einer anderen Stadt wagen?

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