17. April 2017

»Anima« von Kim Kestner

»Anima« hab ich genau vor einem Jahr zur Buchmesse-Zeit in einer leipziger Buchhandlung entdeckt und zugeschlagen. Vor allem das Cover hat mich angesprochen, aber auch der Klappentext, der auf ein tolles Fantasy-Jugendbuch mit düsterem Hintergrund hinweist.
Wie auch bei »Sternensturm« bin ich hier leider auf das Äußere hereingefallen.

Für Abby ist es die schönste Zeit des Jahres! Jeden Sommer verbringt sie mit ihrer Familie die Ferien im Nationalpark Acadia. Doch diesmal wird die Idylle überschattet: Der zur Unterhaltung engagierte Magier Juspinn fasziniert die Feriengäste nicht nur mit seiner Show – er scheint sie zu manipulieren. Mit Schrecken muss Abby feststellen, wie sich ihre Familie und Freunde mehr und mehr zum Schlechten verändern. Besonders ihre Schwester Virginia ist auf einmal wie von Sinnen. Abby selbst spürt nicht nur die Anziehungskraft des Fremden, sondern auch die Gefahr, die von ihm ausgeht. Juspinn scheint auf der Suche zu sein, nach etwas, das nur sie ihm geben kann.
Die Geschichte einer undenkbaren Liebe im Kampf gegen die größten Mächte der Welt.

 

Idyllisches Familienleben

Abby fährt mit ihrer Familie zu ihrem Standard-Urlaubsziel Acadia. Eine Ansammlung von Cottages mit Freizeitangebot mitten in einem Nationalpark. Der Familiensinn steht zuerst klar im Vordergrund. Eine Mutter, die zum Hippie neigt, einen Reverend als Vater und zwei Schwestern, die nicht unterschiedlicher sein können.

Virginia ist selbstbewusst, hat eine laute Persönlichkeit, die nach Aufmerksamkeit lechzt. Dagegen ist die freundliche Abby, die jedem helfen will und immer das gute sieht, beinahe langweilig. Sie ist wirklich durch und durch gut. Selbst die kleinen Macken, immer alles schließen zu müssen oder keine Primzahlen leiden zu können, machen ihrer Perfektheit keinen Abbruch. Das trägt natürlich zur Handlung bei – nur leider macht Abby das nicht aufregender.

 

Der Zauberer mit dem unaussprechlichen Namen

Der geheimnisvolle Juspinn, bei dem ich leider immer noch nicht weiß, wie man ihn wirklich ausspricht, ist ein starker Kontrast zu Abby. Er ist dunkel, geheimnisvoll – man weiß ihn nicht recht einzuschätzen. So rätselt man beim Lesen die ganze Zeit, was der angebliche Zauberer wirklich ist, und was er von Abby will. Denn durch die kurzen Szenen aus seiner Sicht wird klar, dass er ihr nichts gutes will.

Außerdem verändern sich alle Menschen in seiner Nähe und kehren sich zum Schlechten. Abbys Mutter lässt die Familie im Stich, ihr Vater wird ein fanatischer Gläubiger und ihre Schwester geht sogar auf Abby los.

Auf den ersten hundert Seiten des Buches passiert wahnsinnig viel. Es kommt ein wenig Spannung auf – allein schon durch das Raten um Juspinns Person -, aber mitreißen konnte mich die Geschichte nicht. Selbst dann nicht, als Juspinns Vater auftaucht und ihn und Abby nach Grönland „verbannt“, um sie dort gefügig zu machen.

Denn Abby ist etwas besonderes und er braucht sie. Juspinn soll sie dafür trainieren und von da an nimmt alles einen recht vorhersehbaren Gang. Sie ist in seiner Gewalt, obwohl auch er das nicht will. Sie himmelt ihn immer noch ein bisschen an, weshalb sie sich nicht so wirklich wehrt und auch ihre zurückgelassene Familie und deren Veränderungen vergisst sie offenbar.

Aber bei der sexuellen Spannung, die hier und da in der Luft hängt, ist das wohl nicht verwunderlich. Protagonisten sind dafür bekannt, dass sie bei sexueller Spannung alles andere vergessen.

 

Fazit

»Anima« verspricht viel und bietet auch viel – gegen Ende aber leider nur noch klischeehafte Handlung. Die Charaktere sind interessant, kommen einem aber irgendwie schon aus anderen Büchern bekannt vor. Und diese sexuelle Spannung zwischen den Protagonisten überschattet alles, was meiner Meinung nach nicht zur Handlung beigetragen, sondern sie gehemmt hat.

 

 

Fehlgriff

 

 


 

»Anima« von Kim Kestner

Arena | 2016 | 480 Seiten

erhältlich als Hardcover | eBook

 


2 Comments

  • Hallo Kate,

    bei diesem Buch geht es mir ähnlich wie dir. Ich hatte sehr große Erwartungen, weil zum einen der Klappentext spannend klingt und eine innovative Geschichte verspricht und mir das Buch zum anderen mehrfach empfohlen wurde. Ich bin zwar noch nicht ganz am Ende des Buches angelangt, bin aber jetzt schon etwas enttäuscht. Die Idee hat so viel Potential, das erste Drittel war durchweg spannend, aber langsam wünsche ich mir das Ende der Geschichte herbei, um endlich ein neues Buch zu beginnen. Meine Begeisterung hält sich stark in Grenzen.

    Liebe Grüße
    Violetta

    • Kate sagt:

      Hallöchen Violetta,
      ich weiß genau, was du meinst! Das Cover allein macht schon was her und die Idee hat wie du sagst so unglaublich viel Potenzial. Und alles so verschwendet 🙁
      Verstehe ich es richtig, dass du noch daran liest? Wenn es gar nicht mehr geht, brich es doch ab. Das ist nur verschwendete Lesezeit.
      Liebste Grüße ♥

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