3. Juli 2017

»No Pflock« von Andrea Weil

Mit »No Pflock« hat Andrea Weil eine Vampirwelt geschaffen, die fernab der romantisierten Romane um die Jäger der Nacht liegt. Durch sie bekommen diese Wesen mal wieder ein schauriges Antlitz, das nicht durch Glitzer oder Heldenhaftigkeit beschönigt wird.

Martin, Student im bayerischen Eichstätt, muss auf die harte Tour lernen, wie man sich als Vampir verhält, der nicht in der Sonne glitzert und wahren Blutdurst verspürt. Von seinem Erschaffer unfreiwillig verwandelt und allein zurückgelassen, schlägt er sich durch die Nacht. Er findet sehr bald heraus, dass ihn die Sonne töten könnte und er Blut zum Überleben braucht.

Als frisch gewandelter Vampir sorgt er mit mehreren Morden für viel Chaos, bis eine Vampirjäger-Organisation namens »No Pflock« auf ihn Aufmerksam wird. Nur der Ältestenrat der Vampire kann ihn noch retten und macht gleichzeitig Martins letztes Opfer zu seiner Blutsklavin. Martin selbst muss sich dem Willen seines zwielichtigen Erschaffers Ravic beugen, vor dem sich selbst der Ältestenrat fürchtet.

 

Keine Glitzerflauschis

In diesem Buch geht es um einen Protagonisten, den man nicht unbedingt als Sympathieträger bezeichnen kann. Schon auf den ersten Seiten wird Martin von einem Mann überfallen. Wie Martin wird auch der Leser unerwartet mit den Auswirkungen des Bisses konfrontiert. Er spürt das Unbehagen des nahenden Sonnenaufgangs, verfügt über ungewohnte Kräfte und verfällt einem starken Blutdurst.

Nach seinem ersten Tag als Vampir, der trotz dem Schutz vor Sonnenlicht auszehrend war, ergibt er sich seinem Blutdurst und fällt über seine Nachbarin her. Dieser Mord wird nicht sein einziger bleiben. Durch die Verwandlung scheint er all seine Skrupel verloren zu haben. Obwohl man als Leser gemeinsam mit Martin die Welt der Nacht erkundet, bleibt es an dieser Stelle schwer, in seine Gefühlswelt einzutauchen, um zu verstehen, wieso ihm diese Morde selbst im Nachhinein nichts ausmachen.

 

Die kleinen Besonderheiten

Weil hat es geschafft, den Handlungsort ihres Romans so gut einzubinden, wie ich es selten in einem Buch erlebt habe. Die bayerische Art wird nicht nur durch die Orte spürbar, sondern auch durch die dort angesiedelten Charaktere. Sie heben sich charakterlich und sprachlich von anderen Vampir-Romanen ab. Denn viele von ihnen verständigen sich mit einem typisch bayerischen Akzent, der im ersten Moment so gar nicht zu starken Vampiren passen will.

Ein weiterer Pluspunkt des Romans ist Alina, Martins Blutsklavin. Obwohl sie sich seinen Worten beugen muss, da sie durch ihr Blut miteinander verbunden sind, verliert sie nicht ihr Selbstbewusstsein. Sie lässt sich nur mit Zwang den Mund verbieten und spricht immer gerade heraus, was sie denkt. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die alles andere als darauf gefasst war, zu einer Vampirsklavin zu werden.

Das Herzstück des Romans ist aber tatsächlich Ravic, Martins Erschaffer. Niemand weiß, wie alt und mächtig er wirklich ist. Er erscheint immer vollkommen unerwartet und verfolgt einen Plan, der sich dem Leser erst recht spät erschließt. Sein Umgang mit anderen Vampiren macht es zu einem richtigen Genuss, die Kapitel mit ihm zu lesen. Er sorgt für ein großes Finale, das den Wunsch offen lässt, noch mehr von ihm zu lesen.

 

Ein Buch mit Herz

Schon von Außen zieht »No Pflock« mit dem Zeichen der gleichnamigen Organisation die Blicke auf sich. Auch innen macht das Büchlein was her. Obwohl ich persönlich mir beim Lesen der Schriftart mit dem geringen Zeilenabstand schwer getan habe, hat »No Pflock« ein paar Besonderheiten zu bieten.

Die Satzanfänge jedes Kapitels sind durch eine andere Schriftart hervorgehoben, was für Buchliebhaber ein kleines Extra sein dürfte. Ebenso die kleinen Fledermäuse, ganz im Stil des düsteren Vampirromans, sind ein kleiner Augenschmaus.

 

Fazit

Ein Vampir-Roman der Extraklasse! Es gibt selten Bücher, die sich keinerlei Klischees bedienen und doch ist das bei No Pflock der Fall. Die Vampire sind düster, blutrünstig, haben spezielle Fähigkeiten. Hier wird nichts romantisiert, kein Adonis-Protagonist vorgestellt. Obwohl ich mir mit den bayerisch sprechenden Vampiren und Martin als Protagonist etwas schwer getan habe, wirkt die Geschichte unglaublich echt und die Charaktere realitätsnah.

 

 

tolles Leseerlebnis

 

 


 

»No Pflock« von Andrea Weil

Fabylon | 2017 | 220 Seiten | Einzelband

erhältlich als Paperback | eBook

 


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