19. Oktober 2017

»Der Buchhändler« aus Sicht eines Buchhändlers

Vor ein paar Wochen habe ich euch einen Beitrag präsentiert, in dem es darum ging, wie Buchhändler von anderen wahrgenommen werden. Hier findet ihr ihn. Der Beitrag kam schon sehr gut bei euch an, weshalb ich euch noch die andere Seite zeigen möchte. Wie sehen wir Buchhändler uns selbst?

 

Buchliebhaber

Das ist wahrscheinlich so das naheliegendste. Niemand wird Buchhändler, wenn er Bücher nicht liebt. Ich glaube, es gibt kein Medium, das so viele Fans begeistern kann und so eine Liebe in den Menschen hervorruft. Es gibt Menschen, die lesen gerne, fertig. Aber es gibt auch Menschen, die Bücher verehren, sie lieben und pflegen. Unter uns Bloggern ist dieses Bücher-Verehren ja auch Gang und Gebe. Das ist bei Buchhändlern nicht anders.

Es gibt für uns nichts schlimmeres, als wenn sich Menschen auf Bücher setzen (ja, das kommt häufig vor!) oder sie als Ablage für Taschen, Schirme oder sonstigen Krimskrams missbrauchen.

 

Verkäufer

Natürlich sind wir auch Verkäufer. Wir betiteln uns als Buchhändler, was auch etwas schicker klingt, aber am Ende des Tages geht es darum, Bücher zu verkaufen. Sie Kunden anzubieten und ihre wundervollen Inhalte so wiederzugeben, dass andere sich sofort angesprochen fühlen und die Bücher haben wollen.

Seelenklempner/Psychologe

Man sagt ja immer, dass Barkeeper die Psychologen der Nacht sind. Das sind Buchhändler auch – auch wenn wir eher am Tag zum Einsatz kommen. Es ist immer wieder überraschend, dass manche Menschen dir auf ein einfaches „Hallo“ ihre gesamte Lebensgeschichte erzählen. Da erfordert es manchmal schon an Geduld und Nerven aus Stahl. Vor allem, wenn noch viele andere Kunden deine Hilfe brauchen.

 

Babysitter

Ja, in mancher Hinsicht sind wir auch Babysitter. Es kommt nämlich häufiger vor, dass Kinder in unserem Laden ihre Eltern verlieren oder in der Kinderspielecke abgesetzt werden, damit die Eltern in Ruhe ihre Bücher zusammensammeln können. Wenn also keine erwachsene Aufsichtsperson in der Nähe ist, müssen wir mit einen Blick auf die Kinder werfen. Denn komischerweise finden kleine Kinder die Rolltreppe immer besonders spannend.

Boxsack

Das ist die Seite des Berufes, die keinen Spaß macht. Denn manchmal bekommt man als Buchhändler ganz schön viel Mist ab. Zum Beispiel, wenn die Lieferung nicht gekommen ist und die Kunden darauf warten, wenn eine Online-Bestellung schief gegangen ist oder Probleme bereitet. Oder einfach nur, wenn unser Gegenüber einen schlechten Tag hat. Das kriegen wir dann sehr oft ab.

Im letzten Sonntagsgeplauder habe ich schon geschrieben, dass mir da scheinbar ein dickes Fell gewachsen ist. Ich komme jetzt besser damit klar, wenn ein Kunde wütend wird und schaffe es, ruhig zu bleiben und kein nervliches Bündel zu werden. Aber das hat auch eineinhalb Jahre gedauert.

 

Mädchen für alles

Tja, und wenn man alles, was wir am Tage so tun, zusammenzählt, dann kommt da so einiges zusammen. Denn zumindest in unserem Haus wird Service großgeschrieben. Das heißt, wir erfüllen auch manche Wünsche, die über den Verkauf von Büchern hinausgehen. Das ist manchmal wirklich anstrengend, aber es ist toll, das glückliche Gesicht eines Kunden am Ende zu sehen.

 

 

Wir ihr seht, macht ein Buchhändler wirklich viel. Es gibt ja immer dieses Vorurteil, dass Buchhändler den ganzen Tag nur lesen. Leider ist das nicht so – ganz im Gegenteil. Der Beruf ist wirklich schön und ich mag ihn wahnsinnig gerne. Aber wie jeder Beruf hat auch dieser so seine Schattenseiten. Da kann man sich nur ein dickes Fell zulegen und sich auf die Erlebnisse konzentrieren, die toll waren und bei denen das Bücherherz höher schlagen konnte.

Bildquellen; pixabay

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