6. November 2017

»Der verwunschene Gott« von Laura Labas

Heute habe ich mal wieder ein Buch von Laura Labas für euch. So wie sie ihre Bücher raushaut, muss sie eine Maschine sein! Ich bin da tatsächlich etwas neidisch. Zum Glück ist sie so sympathisch, da kann man ihr gar nicht böse sein 😉

 

Klappentext

Morgan Vespasian verdient sich ihren Unterhalt als Schmugglerin. Seit sie vom Alphawolf der Schmuggler entführt wurde, ist sie dazu verdammt, ihre Lebensschuld abzuarbeiten. Während eines Auftrags wird sie verraten und gerät zwischen die Fronten eines vergessenen Prinzen und eines verfluchten Gottes, die auf der Suche nach einem verwunschenen Schloss sind. Morgan muss sich schon bald für eine Seite entscheiden und bestimmt mit ihrer Wahl das Schicksal des gesamten Königreiches.

 

 

Meine Meinung

 Klassische Märchenadaption … oder vielleicht doch nicht?

Schon zu Beginn schafft Labas es, mich mit ihrem neuesten Werk mitzureißen. Der Anfang der Geschichte spielt Jahre vor dem Rest und man begleitet Morgan als junges Mädchen auf dem Weg zu ihrer Großmutter. Sie hat ein Körbchen und einen roten Mantel dabei, und jetzt wird wahrscheinlich sofort jedem klar, welches Märchen wir hier finden. Morgan kommt vom Weg ab und trifft auf den großen bösen Wolf. Anders als im Original ist der Wolf aber nicht wirklich ein Wolf, sondern ein Mann, der nicht weniger angsteinflößend ist.

Bisher habe ich mich nicht als Fan von Märchenadaptionen bezeichnet, aber ich muss zugeben, dass mich genau das an »Der verwunschene Gott« so gereizt hat. Dass die Märchen hier nun derart umgewandelt werden, finde ich fantastisch. Der böse Wolf, der kein Wolf ist, sondern der Anführer einer Schmugglerbande, die sich Wölfe nennen … das finde ich einfach so genial und spannend, dass ich mich sehr aufs Weiterlesen gefreut habe.

 

In einer anderen Welt

Abgesehen von diesen vollkommen umgewandelten Adaptionen kann auch das Setting überzeugen. Es erinnert anfangs zwar ein wenig an »Der verwunschene Gott« „Lied der Krähen“, aber es ist toll ausgearbeitet und es macht Spaß, diese Welt, die Labas hier erschaffen hat, beim Lesen zu erkunden. Wie gerne ich die Karte der Printausgabe zur Hand gehabt hätte, um mich noch ein bisschen mehr zurechtzufinden und Morgans Reise besser mitverfolgen zu können.

Auch die Wesen, die in Labas erschaffener Welt leben sind wirklich einmalig – ich habe zumindest noch nie von Windwern gehört. Ihre Eigenarten sind toll ausgearbeitet und auch die Eigenschaften von Hexen und anderen Wesen sind so stimmig, dass sich alles schön in die Geschichte fügt.

 

Weiterentwickelt

Ich habe nun schon einige von Laura Labas‘ Büchern gelesen und irgendwie waren sie sich alle recht ähnlich. Das ist jetzt nicht negativ gemeint – eher im Gegenteil: Laura Labas hat ihren ganz eigenen Stil und der findet sich in all ihren Büchern wieder. Doch in »Der verwunschene Gott« hatte ich das Gefühl, dass sie über sich selbst hinausgewachsen ist. Und das liegt nicht nur am Setting mit der komplett eigenen Welt, sondern vor allem daran, dass mir die Geschichte um »Der verwunschene Gott« viel erwachsener vorkommt. Es ist alles etwas düsterer, blutiger und komplexer, so wie ein guter Fantasy-Roman eben ist.

 

 

Schon wieder eine Kick-Ass-Protagonistin

Ich weiß, die meisten feiern starke Frauen als Protagonistinnen gerade extrem. Mir gehen sie ehrlich gesagt auf die Nerven. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mit einem normalen Mädchen mehr identifizieren kann, vielleicht aber auch daran, dass diese Kick-Ass-Protagonistinnen plötzlich doch Grenzen und Schwächen haben. Das ist an sich gut so und macht sie menschlicher, aber häufig – und so ist das leider auch bei Morgan – sind diese Schwächen dann nicht ganz nachvollziehbar. Morgan zum Beispiel erscheint von Beginn an als knallhart und fast unbesiegbar. Doch dann kann sie ständig relativ leicht überwältigt werden. Für mich als Leser sind ihre Grenzen einfach nie ganz klar gewesen und das hat viele ihrer Gefühle und Handlungen nicht ganz nachvollziehbar gemacht. So ist das teilweise auch bei anderen Charakteren.

 

Weniger ist mehr

Ausführliche Beschreibungen der Umgebung und Charaktere gehören zu jedem Buch, um die Vorstellungskraft der Leser anzukurbeln. Ohne sie wäre ein Buch nur voller Handlungen und ohne wirklichem Bild. Labas‘ Beschreibungen sind meist wirklich toll und nachvollziehbar, man kann sich in ihre Welt hineinversetzen und hat das Gefühl mitten in der Handlung zu sein. Manchmal ist es mir aber etwas zu viel. Kennt ihr das Gefühl beim Lesen, dass etwas Großes bevorsteht? Und ihr möchtet einfach nur zu dieser Stelle kommen, um die Spannung zu entladen? Und dann stehen da Worte, Worte und Worte und ihr kommt nur in Babyschritten voran und die Spannung wird allmählich unangenehm? Leider war das bei »Der verwunschene Gott« teilweise der Fall. Ich konnte es kaum erwarten, dass es endlich losgeht, dass Action aufkommt und noch mehr Adaptionen vorkommen und und und … leider war die Warterei darauf nicht ganz so toll.

 

 

Fazit

»Der verwunschene Gott« ist ein Werk von Laura Labas auf einer ganz neuen Stufe. Erwachsener und düsterer zieht sie einen in eine Fantasy-Welt voller einzigartiger Wesen und so einigen versteckten Märchen. Spannung kommt hier nicht zu kurz, und abgesehen von ein paar sich ziehenden Stellen und Unstimmigkeiten bei ein paar Charakteren ist hier ein außergewöhnlich tolles Leseerlebnis garantiert.

 

 

tolles Leseerlebnis

 

 

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»Der verwunschene Gott« von Laura Labas

Drachenmond | 2017 | 400 Seiten

Reihe: »Von Göttern und Hexen« (Band 1)

erhältlich als Paperback eBook

 


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