1. Februar 2018

Warum Bücher nicht zu teuer sind

In meiner Tätigkeit als angehende Buchhändlerin bekomme ich bei gebundenen Büchern immer wieder das selbe zu hören: „Das ist aber teuer!“ Und dazu möchte ich mich heute äußern. Achtung: heute wird Klartext gesprochen!

 

Wie sehe ich das eigentlich?

Für mich ist dieser Preis gar nichts ungewöhnliches. Ich habe schon früher, zu Taschengeldzeiten, sehr viele Jugendbücher gelesen und in diesem Genre ist es vollkommen normal, dass Titel zu allererst als Hardcover erscheinen. Ich war also nichts anderes gewohnt und deshalb hat mich der aller erste „Zu teuer“-Aufruf sehr erstaunt.

Man neigt leicht dazu, ein 20€-preisiges Buch als teuer zu bezeichnen. Denn gerade für uns Vielleser hält selbst ein fetter Schinken nicht lange. Ich lese tatsächlich auch im Internet immer wieder, dass Bücher viel zu teuer seien. Was kein Wunder ist, denn keine andere Branche ist seit so vielen Jahren ohne Preiserhöhungen ausgekommen. Wir sind einfach verwöhnt, weshalb uns Bücher teilweise teuer erscheinen.

Aber mit diesem Mythos möchte ich heute aufräumen. Denn:

 

Bücher sind nicht zu teuer!

Ganz im Gegenteil. Denn an einem Buch hängen unglaublich viele Leute dran. Im ersten Moment denkt man vermutlich nur an den Verlag und den Autoren. Aber tatsächlich kommt sehr viel mehr dazu.

 

Zu erst einmal nimmt die Herstellung natürlich einen Teil der Kosten ein. Da wären zum einen Druck, zum anderen die Mitarbeiter im Verlag, wie zum Beispiel Lektoren, und das Honorar für den Cover-Designer kommt auch noch dazu. Und natürlich möchte auch der Autor an seinem Werk mitvredienen.

Anschließend geht es zur Auslieferung, die ebenfalls kostet, an den Zwischenbuchhandel. Also der Lieferant, der die Bücher zu den Buchhandlungen bringt. Buchhandlung und Zwischenbuchhändler bekommen einen Rabatt, denn auch sie haben Personal-, Miet- und andere Kosten.

Damit dann auch alle Vielleser und begeisterten Blogger und Fans etwas von den neu erscheinenden Büchern mitbekommen, muss Werbung gemacht werden. Und ratet mal: Auch die kostet wieder Geld.

 

Der mairisch Verlag hat eine sehr schöne, übersichtliche Kalkulation veröffentlicht wie sich die Kosten eines Buches verteilen. Das verdeutlicht sehr gut, was ich ausdrücken möchte. Ihr findet die Kalkulation hier. Aus dieser Kalkulation habe ich auch die Zahlen für das Diagramm entnommen.

 

Kein Luxusleben durch Bücher

Wie ihr seht, ist ein 20€-Buch eigentlich gar nicht so teuer, wenn man darüber nachdenkt, wer da alles mit dranhängt, und wie wenig für den einzelnen tatsächlich übrig bleibt. Als Verleger und Autor kann man nicht unbedingt reich werden. Auch Buchhandlungen machen kein riesiges Geschäft.

 

Deshalb:

Wenn euch das nächste Mal ein Buch als zu teuer erscheint, erinnert euch an diesen Beitrag und denkt daran, dass von euren ausgegebenen 20 € jeder an der Herstellung und dem Verkauf des Buches beteiligte Mensch nur einen winzig kleinen Bruchteil verdient. Selbst der Autor, ohne den es das Buch erst gar nicht gäbe, verdient nicht einmal 10% daran.

6 Comments

  • Miss PageTurner sagt:

    Huhu =)
    Schöner Beitrag und sehr informativ. Ich gebe dir recht, dass ein 20 Euro Hardcover nicht zu teuer ist, auch wenn sich mein Studentengeldbeutel es nur schwer verkraftet xD
    Was ich aber unverschämt finde ist, wenn Bücher im deutschen wie z.B Black Dagger zweigeteilt werden, die im Original eins sind und die Übersetzung von der Seitenzahl auch beim Übersetzen des ganzen Buches her nicht so viel gewesen wäre.
    Und ich finde es doof, wenn man allein für den Namen eines Autors gut 10 € drauf zahl wie bei Dan Brown oder Ken Follet. Klar sind die Lizenzen da teurer, aber auch nicht so viel mehr, dass diese Preis geerechtfertigt wären.

    Aber bei den „normalen“ Büchern gebe ich dir voll und ganz recht =) Andere wie z.B Gamer geben für ihr Hobby viel mehr aus.

    • Kate sagt:

      Hallöchen,
      mein Budget sprengen Bücher auch immer wieder 😀 Aber was soll man machen, wenn sie so nach einem rufen?
      Ja, da gebe ich dir recht. Ich habe mal mit Black Dagger angefangen, ohne das zu wissen. Und das hat mich dann so extrem genervt, dass ich die Reihe nach dem ersten Band sofort wieder abgebrochen habe. Diese Methode finde ich auch unmöglich!
      Ich glaube, dass es gar nicht an den Lizenzen lag. Zum Teil natürlich schon. Ich glaube aber auch, dass die Verlage mal höhere Preise etablieren wollten und da fängt man am besten mit so mega erfolgreichen Autoren an. Man könnte aber sagen, dass sie da ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen sind.

      Ja, da hast du Recht. Wenn ich mir überlege, wie viel Geld mein Freund für Spiele ausgibt. Und viel mehr Zeit verbringt man mit denen auch nicht als mit einem fetten Schinken 🙂

      Liebste Grüße ♥

  • Lara sagt:

    Super Post, ehrlich! Ich bin ebenfalls angehende Buchhändlerin und habe seit Beginn meiner Ausbildung auch viel über das Thema nachgedacht und kann dir nur zustimmen. Ich weiß, dass es bei dem neuen Ken Follett für 36€ (es waren 36 oder?) einen totalen Aufschrei gab. Was meine Lehrerin dazu nur gesagt hat: Alles wird teurer, egal was. Das Benzin, die Butter, die Wohnungen, alles. Nur das Buch kostet schon seit ewigen Zeiten das gleiche und das ist nun wirklich nicht viel!
    Wir haben uns alle schon total gefreut, dass der Taschen Verlag seine ganzen Preise auf die volle Zahl aufgerundet hat 😀
    Liebe Grüße, Lara von Bücherfantasien 🙂

    • Kate sagt:

      Hallöchen,
      der Ken Follett hat natürlich auch einen saftigen Preis. An sich finde ich es gut, wenn die Preise endlich mal erhöht werden, weil wie du sagst: Das ist seit einer Ewigkeit nicht passiert. Der Sprung beim Follett war jetzt schon extrem, aber an sich ein Schritt in die richtige Richtung.
      Preise als volle Zahlen fände ich sowieso super! Diese Cent-Beträge braucht kein Mensch 😀

      Liebste Grüße ♥

  • Madame Lustig sagt:

    Ganz toller Beitrag, liebe Kate!
    Ich selbst habe in meiner angeheirateten Familie auch den ein oder anderen Kandidaten, der Bücher als teuer bezeichnet. Allerdings glaube ich nicht, dass das auch genau so gemeint ist. Vielmehr geht es bei dieser Aussage um das Hobby Lesen, das nun mal wirklich kein günstiges ist. Zumindest dann nicht, wenn man Bücher so sehr verschlingt, wie viele von uns Leseratten es tun. „Verbraucht“ man also 4, 5, 6 oder mehr Bücher pro Monat, geht das schon ordentlich ins Geld. Weiter glaube ich, dass die Tatsache, dass so ein Buch nicht lange „vorhält“, sondern spätestens nach ein paar Tagen ausgelesen ist, ebenfalls dafür sorgt, dass zum Beispiel Schenker sagen „Dafür, dass X nach 3 Tagen wieder ein neues Buch braucht, sind mir 20€ zu viel“.

    Kurzum, ich denke nicht, dass sich diese Aussagen auf den Wert des Buches beziehen, sondern darauf, wie lange jemand etwas davon hat, oder wie groß das Loch im Geldbeutel wird, wenn man sich den gesamten Monat mit Lesefutter versorgen will.

    Ganz liebe Grüße,
    Maike

    • Kate sagt:

      Liebe Maike,
      ich kann die Argumente vollkommen verstehen. Wobei auch andere Hobbys wirklich teuer sein können. Eine Kollegin von mir zahlt zum Beispiel 60 Euro im Monat für ihr Fitness Studio.
      Das ein Buch nicht so lange vorhält ist aber tatsächlich irgendwie war. Andererseits kann man richtig gute Bücher immer wieder lesen. Und oft ist ja auch noch ein versteckter Mehrwert drin. Ein Buch kann einen positiv beeinflussen, man kann etwas daraus lernen, etc. Also bei dem Argument ist das echt schwierig 😀

      Du könntest aber definitiv recht haben, dass sich das ganze eher auf die Langfristigkeit eines Buches bezieht, statt auf den Preis an sich. Wobei ich auch Kunden hatte, die nicht so viel zahlen wollen, weil sie das Buch danach sowieso wegschmeißen wegen Platzmangel. Da kann ich es einerseits verstehen, andererseits hängt ja trotzdem viel Arbeit an einem Buch, auch wenn es am Ende weggeschmissen wird. Was ich wirklich tragisch finde!

      Liebste Grüße ♥

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